Kinder & Videospiele

Gleich vorab: Dies soll kein Beitrag sein, der irgendeine Wertung bezüglich Videospiele in der Kindererziehung beinhalten soll. Da ich selbst relativ früh angefangen habe Videospiele zu spielen, habe ich auch kein Problem mit Kindern zusammen zu spielen und sie direkt in Kontakt damit zu bringen. Natürlich nur für ihr Alter geeignete Spiele. Ich möchte hier lediglich eine Beobachtung beschreiben, die ich neulich gemacht habe und meine Verwunderung darüber, welche Anziehungskraft solche Spiele anscheinend haben können.

Bisherige Erfahrung

Mein Neffe ist auch schon sehr früh mit Videospielen in Berührung gekommen, da sein Vater ebenfalls ein leidenschaftlicher Gamer ist. Er ist jetzt 5 Jahre alt und bekommt es auch schon gut hin bei Mario Kart mitzuhalten. Klar, auf der einfachsten Schwierigkeitsstufe, aber immerhin fährt er nicht mehr hinten im Feld mit.

Das Thema Gaming ist ihm also mit seinen 5 Jahren nicht mehr fremd. Und auch, wenn er gerne mal zusammen mit mir oder seinem Vater an der Nintendo Switch spielt, ist es kein Hauptthema für ihn. Er beschäftigt sich lieber mit seinen anderen Spielzeugen, oder spielt draußen mit Freunden. Die Frage nach „Mario Kart“ kommt eigentlich nur, wenn er Langeweile hat oder man sich grade explizit über Spiele unterhält. Daher hat mich die nächste Situation umso mehr überrascht.

Eine neue Situation

Letzens waren nun aber die Nichte und der Neffe meiner Freundin zu Besuch. Beide im ähnlichen Alter wie mein Neffe (fast 6 und fast 5). Die beiden hatten bisher noch überhaupt keinen Kontakt in irgendeiner Form mit Videospielen. Umso mehr hat es mich gewundert, dass beide direkt am Anfang zielstrebig auf die PS-Controller zuliefen und fragten, wofür die seien. Nachdem ich erklärt habe, wofür man die Controller benutzt war natürlich die nächste Reaktion: „Können wir das jetzt machen?“. Da wir zu dem Zeitpunkt aber etwas Anderes vorhatten, habe ich die Beiden auf den Abend vertröstet. Kaum waren wir am Abend wieder zu Hause, viel sofort wieder der Satz: „Und jetzt spielen wir mit den Kontrollern“. Und das, obwohl wir noch nicht einmal drin waren.

Also gut. Ich habe mich aber entschieden nicht mit ihnen PlayStation zu spielen, sondern Mario Kart, wie ich es auch mit meinem Neffen mache. Ich habe also das Spiel gestartet und versucht so gut wie möglich zu erklären was man machen muss, welche Knöpfe man drücken muss und wo jeder einzelne hinzugucken hat. Und schon konnte es losgehen. Ich habe sofort gemerkt, dass die beiden von dem Geschehen auf dem Bildschirm ziemlich überfordert waren und gar nicht so wirklich verstanden haben, was grad passiert. Das war aber auch nicht allzu verwunderlich, sie habe so etwas ja auch noch nie gemacht. Es wurde kaum etwas am Controller gedrückt oder sie wurden komplett falsch in der Hand gehalten. Es wurde auch des Öfteren gefragt, wo denn die Figuren der einzelnen sind. Der Blick war aber starr auf den Bildschirm gerichtet und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es den beiden nicht wirklich Spaß gemacht hat. Doch es hieß immer wieder: „Noch eine Runde!“. Das Spiel konnte dann nur unter ganz großem Protest wieder ausgeschaltet werden. Plötzlich gab es das ganze Wochenende kein anderes Thema mehr. Immer wieder kam die Frage, ob wir „dieses Spiel am Fernseher“ nochmal spielen können.

Ich war überrascht

Es hat mich also ein bisschen überrascht, wenn nicht sogar schockiert, dass Kinder, die noch nie etwas mit Videospielen zu tun hatten und auch gar nicht wirklich damit zurechtgekommen sind, plötzlich so angefixt sind, dass es kein anderes Thema mehr gibt.
Warum das so ist und ob das bei allen Kindern zutrifft, kann ich nicht erklären. Vielleicht ist es aber genau der Grund: es war etwas komplett Neues für sie. Und das ist natürlich interessant und bleibt hängen. Anders als bei meinem Neffen, der mit diesem Thema groß wird und für den es nichts Neues mehr ist.

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht?

Ein Kommentar

  1. Wir haben recht unterschiedliche Reaktionen auf Spiele erlebt. Ich glaube, das ist auch immer sehr persönlichkeitsabhängig. ​Faszinierend ist aber – und das sehe ich genau wie du – dass das bunte Medium auf jeden Fall erstmal auf alle Kids hypnotisierend und anziehend wirkt (und das klappt oft auch Jahrzehnte später noch *hust* ^^)

    ​Die einen interessierte irgendwann auch, was dahinter steckt und fingen irgendwann neben der Zockerei auch an, den PC geordnet auseinander zu nehmen (IT Ausbildung folgte) und nutzen Spiele auch heute noch als Brücke für soziale Kontakte. Die anderen interessierte das nicht so und Spiele wurden eher nur zum Zeitvertreib genutzt. Ich hätte fast ‚Zeit totschlagen‘ geschrieben, wollte aber gerne ebenfalls neutral und nicht wertend bleiben.

    ​​Aus meiner persönlichen Sicht hat sich die Spielerei im Kinder- und Teeniealter heute sehr auf Mobilgeräte beschränkt. Beschränkt ist vielleicht das falsche Wort, „den Schwerpunkt verlagert“ trifft es wahrscheinlich besser. Und das kann zum Problem werden, hat man das Gerät doch heute meistens schon in recht jungem Alter immer und überall griffbereit. Da wird auf jedes Bling, Pieps und Vibrieren sofort reagiert. Nicht nur auf das von Spielen. Das Gerät bestimmt den Tag und kann dementsprechend eher eine Fessel als eine Unterstützung sein.
    Und, du weisst es selbst, findet man bei den Mobilspielen schnell Unmengen an mehr niveaulosen Schrott als vermutlich bei Konsolen- und PC Spielen.

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