Mobile Games = echtes Gaming?

Mobile Games = echtes Gaming?

Leute der Generation, die noch mit den alten Handys von z.B. Nokia oder Siemens groß geworden sind, kennen wohl alle noch Snake. Eines der ersten mobile Games, die richtig bekannt geworden sind. Wirklich kompliziert war es nicht. Man musste einfach zufällig auftauchende Punkte mit einer immer länger werdenden Schlange einsammeln und durfte dabei nirgends anstoßen.
Damals waren solche Spiele noch auf dem Handy vorinstalliert. Viel Auswahl hatte man auch gar nicht. Man war aber zufrieden damit und hatte endlosen Spaß daran.

Heutzutage wird man in den App-Stores überflutet mit Spielen, die man alle ganz schnell und einfach seinem Smartphone hinzufügen kann. Von kostenpflichtig zu kostenlos ist hier alles zu finden. Aber kann man das Spielen auf dem Smartphone eigentlich als richtiges „Gaming“ bezeichnen?

Der schlechte Ruf von mobile Games

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PC- oder Konsolen-Spieler nehmen in der Regel mobile Games nicht richtig ernst. Denn redet man von diesen, denkt man automatisch immer an unkomplizierte kleine Spielchen für den Zeitvertreib. Meistens schiebt man bunte Kugeln hin- und her, spielt einfach nur Karten oder knobelt sich durch ein Puzzlespiel. Es gibt keine tiefergehenden Handlungen oder eine tolle Grafik.
Mobile Games sind also wenig innovativ und wiederholen sich. Blättert man durch die App-Stores stolpert man immer wieder über die gleichen Spielkonzepte in einem anderen Gewand. Die Spiele wurden gemacht, um sie gemütlich nebenbei in der Bahn, im Bus oder im Café zu spielen.

Aber muss denn alles immer anspruchsvoll sein?

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Die meisten Spiele sollen auch mit Sicherheit gar nicht mehr sein als ein kurzer Zeitvertreib. Das ist auch genau das, was viele zwischendurch einfach mal brauchen. Eine kurze Ablenkung vom Alltag, kurze Wartezeiten überbrücken, usw.

Außerdem ist es ja auch viel einfacher sein Smartphone eben aus der Tasche zu holen, als die ganze Zeit eine Handheld Konsole mit sich zu tragen. Zumal nicht jeder eine Handheld Konsole besitzt, sich leisten kann oder will.

Vorteile

Fangen wir mit den Vorteilen an. Davon gibt es nämlich einige, die den schlechten Ruf von mobile Games vielleicht etwas relativieren können.

Mittlerweile gibt es auch komplexere und grafisch schönere mobile Games
Ja, es gibt sie. Komplexere mobile Games, mit denen man sich über einen längeren Zeitraum beschäftigen kann und die auch etwas Handlung bieten. Man muss aber etwas Recherche betreiben, um welche zu finden.

Man kann die Spiele teilweise am PC weiterspielen
Es gibt mittlerweile viele Spiele, die man nicht nur am Smartphone oder am Tablet spielen kann. Meistens kann man diese dann am PC im Browser weiterspielen. Dadurch ist man nicht immer gezwungen auf den kleinen Bildschirm zu starren.

Woody

Die gesamte Spieleranzahl wird vergrößert
Vielleicht wird die Lust des einen oder anderen geweckt, so dass sich auch Leute, die sonst gar nicht gespielt haben eine Konsole anschaffen oder auf dem PC anfangen zu spielen. Ähnlich verläuft es ja auch mit der Fotografie. Viele fangen mit dem Smartphone an. Dadurch wird das Interesse geweckt und man steigt auf professionelleres Equipment um.

Aber auch wenn die meisten Gelegenheitsspieler keine PC- oder Konsolen-Enthusiasten werden, wächst zumindest das Verständnis dafür, wobei wir beim nächsten Punkt wären.

Es wird Interesse und Verständnis geschaffen
Wie oben schon erwähnt, wird durch den einfachen Zugang das Interesse in der breiten Masse gestreut. Mittlerweile spielen Menschen in jeder Altersgruppe. Genau dadurch wird auch das Verständnis gesteigert. Denn Oma kann jetzt vielleicht den Enkel verstehen, wenn er sich nicht von einem Spiel am PC losreißen kann.

Zeitvertreib mit Sparpotential
Mobile Games sind ein idealer Zeitvertreib, um Wartezeiten zu überbrücken.

Da sich nicht jeder einen Gaming PC leisten oder sich eine Konsole ins Wohnzimmer stellen kann, ist der Griff zu mobilen Spielen eine Variante Geld zu sparen, ohne dabei aufs Spielen verzichten zu müssen. Ein Smartphone hat heutzutage fast jeder in der Tasche und dabei muss es nicht mal das highend Modell sein, um Spiele darauf zu spielen.

Zusätzlich ist man nicht immer dazu gezwungen eine Handheld Konsole dabei zu haben. Man greift einfach zu seinem Smartphone, welches eh immer dabei ist.

Nachteile

Aber ich will natürlich jetzt nicht alles schönreden. Natürlich gibt es auch Nachteile und einige davon haben es in sich. Fangen wir beim schlimmsten an:

Pay-to-Play und Mikrotransaktionen
Bei diesem Punkt kann man ganz schnell in eine Falle in tappen. Denn auch wenn ein Spiel als „kostenlos“ angepriesen wird, kann man sehr wahrscheinlich trotzdem jedem Menge Geld dort ausgeben. Meistens sind Spiele so aufgebaut, dass man für Aktionen immer längere Wartezeiten in Kauf nehmen muss. Um dies zu überbrücken, kann man Geld ausgeben, damit es schneller geht. Man kann sich auch oft andere Extras dazukaufen, die einem Vorteile im Spiel bringen.

Werbung
Möchte man kein Geld bezahlen, ist oft viel Werbung ein großes Problem. Es ist klar, dass die Spiele irgendwie finanziert werden müssen, aber ich selbst habe schon Spiele erlebt, bei denen man sich nach jeder ausgeführten Aktion einen Werbeclip ansehen musste. Das ist nicht nur nervig, sonder auch einfach viel zu viel.

Zeitfresser und süchtig Macher
Wie im Punkt vorher schon erwähnt, werden oft immer länger werdende Wartezeiten nötig, um Aktionen durchzuführen. Das kann natürlich demotivieren, wenn man plötzlich 3 Tage warten muss, bevor man weiterspielen kann. Dann kann man auch nicht mehr von kurzem Zeitvertreib reden.

Hat man ein Spiel gefunden, dass in einem die Sucht auslöst, hat man wenig Chancen das Spiel liegen zu lassen. Der Grund ist natürlich klar: Das Smartphone hat man immer dabei und somit kann man auch immer spielen.

Akkulaufzeit
Ja, die Akkulaufzeit des Smartphones wird stark beansprucht, wenn man viel spielt.

Häufig sehr simpel und wenig innovativ
Dass es simple Spiele gibt, die einen schnellen Zeitvertreib bringen, ist prinzipiell nichts Schlechtes, wie ich auch schon beschrieben habe. Aber es ist dennoch auffällig, dass man in den App-Stores auf Anhieb nur Spiele findet, die sich alle ähneln. Wenn man genauer hinsieht ist lediglich die Aufmachung anders. Um gute Spiele zu finden, muss man oft lange suchen.

Fazit

Mobile Games sollten nicht so schlecht betrachtet werden wie viele es tun. Man muss die Spiele einfach als das sehen, was sie eigentlich auch sein sollen: Ein schöner kurzweiliger Zeitvertreib. Ob man Geld für solche Spiele ausgeben will, muss jedem selbst überlassen sein.

Zu meiner persönlichen Meinung auf die Frage, ob mobile Gaming „richtiges Gaming“ ist:
Auch ich würde mobile Gaming nicht direkt als „richtiges Gaming“ bezeichnen. Dazu sind die meisten Spiele zu kurzlebig und repetitiv. Zudem fehlt mir auch die tiefe bei den meisten Spielen. Trotzdem denke ich, dass man die Spiele nicht einfach so abtun sollte. Denn das wichtigste ist, dass alle Spaß haben. Zudem finde ich auch gut und wichtig, dass mobile Gaming den Markt öffnet für Menschen, die sich ansonsten nicht dafür interessieren.

Ich selbst spiele auch das ein oder andere Spiel mal am Smartphone und überlege in Zukunft vielleicht mal über die Spiele zu schreiben, die mir aktuell beim Überbrücken von Wartezeiten helfen.

3 Kommentare

  1. Schöner Artikel, dem kann ich mich nur anschließen.
    Es gibt viele Mobilspiele, vielleicht auch zu viele, denn es ist unglaublich viel Schrott darunter.
    Spiele, die zuerst toll aussahen, haben sich schnell als eintönig erwiesen, oder – wie du schon geschrieben hast – kommt man schlecht oder gar nicht weiter, wenn man kein Echtgeld investiert. Als Beispiel hätte ich hier Hitman Sniper, welches sich bei mir nach erstem „hui“ schnell einen hohen Rang in der „Eintönig-Liga“erspielt hat. Das Knobel-Hitman, genau wie das Lara Pendant (Deus Ex gibt es in der Form auch noch), finde ich dagegen recht unterhaltsam, wobei Lara hier die Nase vorn hat.
    Für ein gutes Spiel oder eine funktionale App gebe ich auch gern mal ein paar Euro aus, aber die möchten schon sinnvoll investiert sein. Meistens schaue ich da auch auf die Berechtigungen, hier machen Entwickler auf der hellen Seite der Macht (keine bis kaum zweifelhafte Berechtigungen) bei mir eindeutig lieber und öfter das Rennen.
    Als perfekt für mobil umgesetztes, atmosphärisches Abenteuer habe ich z.B. The Silent Age erlebt und gerne den 5er in den zweiten Akt investiert (der erste ist kostenlos). Da gibt es meines Wissens auch eine Desktopversion von. Aber das dänische Entwicklerstudio scheint es leider nicht mehr zu geben.

    Ich hatte eine Phase, in der ich viel am Smartphone gespielt habe. Da wäre z.B. der gut gemachte Zombieshooter Dead Effect, dessen Nachfolger ich dank permanentem Internetzwang aber gleich wieder deinstalliert habe. Man muss ja nicht alles mitmachen.
    Mittlerweile hat sich meine mobile Zockerei aber weitgehend gelegt. Ich bin froh, wenn ich beispielsweise in der Bahn mal Musik hören kann, ohne dass mich jemand mit (meistens Blödsinn) zutextet – die Seuche unserer Zeit, bzzzt, bzzzt, bzzzt. Stöpsel rein, Musik an, das Smartphone smart sein lassen und ab in die Tasche damit. Ständig was zu fummeln und zu gucken haben, kann doch sehr anstrengend sein auf den Keks gehen. Geht mir jedenfalls, ich schalte doch überhaupt nicht mehr ab. Also aus die Maus und lieber richtig zuhause an der Konsole spielen.

    1. Was mich aber übrigens richtig anp*sst, ist, dass Microsoft auf dem guten, alten Lumia die Verbindung bei den Halo Spielen kurz nach oder zeitgleich mit Stillegung des 8.1er Stores gekappt hat. Somit haut die Lizenzüberbrüfung nicht mehr hin und diese Spiele starten nicht mehr. Das waren hervorragende und qualitativ sehr hochwertige Spiele für ein Smartphone. Ein Jammer, hab ich gerne mal gespielt, sogar zuhause. Für die Xbox gibt es sie auch, aber ist nicht das gleiche 🙁

      1. Danke für den schönen Kommentar. Du zeigst direkt ein paar schöne Beispiele über gut gemachte und weniger gut gemachte Spiele.

        Ich selbst bin auch ein Mensch, der es durchaus berechtigt findet, wenn man die Entwickler von gelungenen Spielen mit einem Kauf unterstützt. Denn unterstützt man Entwickler von guten Spielen, kommen am Ende vielleicht weitere Spiele von denen.
        Natürlich sollte es im angemessenen Rahmen bleiben. Hunderte von Euros in ingame Käufe zu stecken ist dann meiner Meinung nach auch übertrieben. Soviel gebe ich ja auch nicht für ein PC- oder Konselspiel aus.

        Mittlerweile versuche ich auch mehr aufs Spielen unterwegs zu verzichten. Ich höre dann inzwischen öfters Hörbücher oder höre auch einfach Musik. Der Grund dafür ist, dass ich eh schon viel zu viel vorm Bildschirm sitze. Alleine ja schon beruflich im Schnitt 9Std am Tag und dann kommt noch das Hobby Gaming dazu.

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