Spiele unter Zeitdruck

„Ich bin in einer Höhle unterwegs auf der Suche nach Liara T’Soni. Sie ist hinter einem Kraftfeld gefangen. Ich schaffe es mit einem riesigen Bohrer einen Durchgang unter das Kraftfeld zu bohren und kann sie retten. Doch was passiert hier plötzlich: Meine Gruppe wird von unzähligen Feinden angegriffen und zusätzlich bekomme ich die Meldung, dass die Höhle gleich einstürzt – warum musste ich auch nur diesen blöden Tunnel bohren. Wir müssen uns beeilen, dass wir noch heile herauskommen. Unten rechts im Bild fängt eine Uhr an zu ticken. Ich werde hektisch, bringe so schnell wie möglich alle Gegner um und renne los. War da grad noch eine Kiste, die ich durchsuchen kann? Egal, ich habe grad keine Zeit nachzuschauen. Einfach schnell raus hier.“

Genau diese Mission in Mass Effect hat mich zu diesem Beitrag inspiriert. Denn ehrlich gesagt mag ich solche Situationen in Spielen nicht besonders gerne. Und erst recht mag ich es nicht, wenn ganze Spiele nur auf dem Prinzip des Zeitdrucks aufgebaut sind.

Ich möchte die Umgebungen gerne erkunden und alles finden, was zu finden gibt. In einem Spiel, in dem ich unter Zeitdruck stehe, bekomme ich diese Möglichkeit nicht. Zumindest geht mir das so, denn ich werde grundsätzlich hektisch und bekomme Stress.

Spiele ohne Countdown?

Die meisten Spiele erfüllen mir aber meinen Wunsch. Nehmen wir als Beispiel den oben genannten Klassiker Mass Effect. Hier kann ich nach Belieben die Gegend erkunden und mich auf die Suche nach noch so gut versteckten Geheimnissen machen. Hier kann ich auch Aufträge in meiner gewünschten Geschwindigkeit und sogar gewünschten Reihenfolge abarbeiten.

Kommt jetzt aber ein Part, wie ich ihn oben beschrieben habe, und es fängt eine Uhr an zu ticken, werde ich ganz schnell hektisch. Ich rushe dann bis zum Ende durch, um bloß nicht die Uhr ablaufen zu lassen. Danach ärgere ich mich, dass ich keine Zeit hatte alles zu erkunden, zu finden oder alle Gegner zu bekämpfen. Besonders stark ärgere ich mich, wenn noch ewig viel Zeit vom Countdown übrigblieb. Letzteres kommt übrigens sehr häufig vor, aber ich kann einfach nicht anders als loszurennen.

Ähnlich ist es bei Aufbausimulationen. Oft kann man seine Stadt, oder was auch immer man gerade aufbaut, in Ruhe planen, bauen und beim Wachsen zuschauen. Genau das ist es auch, was ich mag. Zusehen wie meine Planung langsam Gestalt annimmt und wächst. Und mit langsam meine ich auch langsam, denn ich lassen mir gerne Zeit und gucken mir alles auch gerne ganz genau an. Spielt man aber Missionen, in denen ein bestimmtes Ziel in einer bestimmten Zeit erreicht werden muss, habe ich logischerweise keine Zeit mehr alles in Ruhe zu planen. Ich kann dann auch nicht mehr in Ruhe beim Wachsen meiner Stadt zusehen. Oft verliere ich dadurch schnell den Spaß am Spiel.

Warum der Stress?

Wahrscheinlich tappe ich aber auch genau in die Falle herein, die die Spieleentwickler da für uns geschaffen haben. Ich bekomme genau dann Stress, wenn ich Stress kriegen soll. Dann wirkt die ganze Situation natürlich realistischer.

Aber warum mache ich mir den Stress denn überhaupt? Ehrlich gesagt kann ich das nicht beantworten. Ich bin wohl anfällig dafür. Und mal ganz ehrlich unter uns. Man muss sich gar keinen Stress machen. Meistens ist eh noch genug Zeit auf dem Countdown und wenn nicht, was soll denn schon passieren? Das schlimmste wäre, dass man die Mission halt noch einmal spielen muss. Und das ist doch eigentlich kein Grund gestresst zu sein.

Realismus pur

Natürlich soll zeitlicher Druck für eine gewisse Dynamik sorgen und somit Abwechslung ins Spiel bringen. Ein zusätzlicher Hauptgrund für mich ist, das zeitliche Vorgaben ein Spiel realistischer wirken lassen.

Als Beispiel muss wieder Mass Effect herhalten. Hier müssen wir unbedingt unseren Feind Saren aufhalten, ansonsten droht ein unangenehmes Ende für die ganze Galaxie. Trotzdem können wir in aller Seelenruhe alle unnötigen Nebenquests im Spiel erledigen, ohne dass die Galaxie auch nur in die Nähe einer Katastrophe gelangt. Anscheinend ist Saren doch nicht so gefährlich und wichtig, wie alle behaupten.

Fazit

Ganz kurz gesagt: Ich persönlich ziehe die unrealistische Variante vor.

Natürlich ist es für mich vollkommen ok, wenn Situation im Spiel auftauchen, in denen ich unter Zeitdruck stehe. So ein kleiner Adrenalinschub und ein bisschen Hektik tun mir auch mal ganz gut. Außerdem ist der Erfolgsmoment umso größer, wenn man eine Mission in der vorgegebenen Zeit erfolgreich abgeschlossen hat.
Ist das aber ein Dauerzustand im Spiel, dann habe ich auch wenig Lust dies weiterzuspielen.

Wenn aber unbedingt Missionen unter Zeitdruck gespielt werden müssen, wäre für mich die optimale Lösung, dass man die Orte des Geschehens später noch einmal aufsuchen kann, um diese dann ganz in Ruhe zu erkunden.

Wie sieht es bei euch mit solchen Spielen oder Missionen aus?

2 Kommentare

  1. Ich bin da ganz bei dir, deine optimale Lösung wäre auch der Idealzustand für mich als Spieler.
    Besonders ärgerlich ist es, wenn man später (vielleicht am Beispiel der eingestürzten Höhle) nicht mehr zurück kommen kann und somit vielleicht wirklich wichtiges und nützliches Zeug liegen lassen hat (wovon man vielleicht sogar nicht mal etwas weiß, da es nun ja verschüttet ist).

    Ich persönlich mag Stress in Spielen nicht mehr. Ein klein wenig Hektik ist ok, aber in Maßen bitte. Früher habe ich Horrorspiele und was weiß ich gespielt, heute mache ich da bewusst einen Bogen drum herum, auch in Filmen. Den Stress brauch ich nicht mehr, hatte wirklich genug davon.
    Wenn ich spiele, möchte ich abschalten und mich entspannen, Schönes erleben. Punkt.
    Spiele gegen die Uhr mochte ich aber ehrlich gesagt noch nie wirklich, egal ob etwas Tödliches hinter mir her ist (spontan fällt mir da Rayman ein), oder einfach nur die Zeit in Form eines zu erreichenden Checkpoints (Rennspiele à la Lotus) abläuft.

    1. Ich bin froh zu hören, dass ich nicht der einzige mit dieser Einstellung bin.
      Früher habe ich das ganze glaube ich auch anders gesehen. Aber heutzutage hab ich schon genug Hektik & Stress im Alltag/Job. Also möchte ich wie du einfach spielen, um abzuschalten und wieder runterzukommen.

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