War damals wirklich alles besser?

Mein Vater sitzt neben mir auf dem Sofa und ich starte das neue Spiel, welches ich zum Geburtstag bekommen habe. Die Titelmelodie ertönt und der Startbildschirm erscheint. Aufgeregt drücke ich auf den „B-Button“, um das Spiel zu beginnen.

Los geht’s:
„Mitten in der Nacht wache ich in meinem Bett auf. War das ein telepathischer Hilferuf? Mein Onkel verlässt rasch und bewaffnet das Haus. Soll ich hinterher gehen? Im strömenden Regen? Natürlich mache ich es, auch auf ausdrücklichem Hinweis dies nicht zu tun!“ 

War damals wirklich alles besser? Zalda: A Link to the Past

Ich rede natürlich von dem Spiel „The Legend of Zelda: A Link to the Past“ auf dem SNES. Und ja, diese Geschichte hat sich schon vor einigen Jahren abgespielt.
Schon direkt am Anfang komme ich im Spiel nicht sehr weit, da ich vor verschlossenen Toren der Burg stehe. Mein Vater meinte, ich könne ja mal ausprobieren alle Büsche auszureißen. Dass das geht, hatten wir nämlich schon herausgefunden. Und siehe da, ein Loch im Boden, durch das ich mich fallen lassen konnte! Seitdem war ich gefangen in diesem Spiel. Ich habe es damals aber nur gestartet, wenn mein Vater auch Zeit hatte mitzuspielen. Es war unser Ding.

Schöne Erinnerungen

Ich denke jeder hat in seiner Vergangenheit Spiele, mit denen er ähnlich tolle Erinnerungen verbinden kann. Ich habe auf alle Fälle jede Menge davon. Manche mit meiner Familie, viele mit Freunden und natürlich auch Erinnerungen an Spiele, die ich ganz für mich alleine gespielt habe. Sicher ist aber, dass man sich in der Regel nur an die tollen Spielmomente erinnert. Es gibt nur wenig schlechte Erinnerungen, die man wieder aus seinem Gedächtnis hervorruft.

Von solchen tollen Momenten gibt es unzählige und sie zaubern mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, denke ich heute daran zurück.
Zu solchen Erlebnissen zählen unter anderem auch, wie ich mir „Mario Kart“ gekauft habe und dann mit meinen Freunden zusammen den Modus entdeckte, bei dem man sich gegenseitig Luftballons vom Kart schießen musste.
Wie meine Schwester und ich alleine schon das Intro von „Donkey Kong 64“ gefeiert haben.
Oder dass meine Freunde und ich bei „International Superstar Soccer 64“ den Spielern durchweg lustige Namen verteilt und uns kaputt gelacht haben, wenn die Spieler nach und nach den Ball hatten. Hier dürfen allerdings jetzt keine großen Erwartungen gestellt werden, denn es waren aus heutiger Sicht natürlich sehr kindische Namen. Aber wir waren ja auch noch Kinder.

Die logische Konsequenz

Was macht man also, wenn man die Gelegenheit hat? Richtig, man packt seine alten Konsolen wieder aus, pustet seine Spielkassetten durch, so wie man es früher immer gemacht hat, und freut sich darauf alle guten Spiele wieder spielen zu können.

Als erstes habe ich den alten „N64“ aufgebaut und mir fiel direkt das Spiel „GoldenEye 007“ in die Hände. Also rein mit der Kassette und sich wie ein kleines Kind freuen, dass es jeden Moment losgeht. Das Spiel startet und
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was ist das denn?

Hat das Spiel damals auch schon so hässlich ausgesehen. Und erst recht die Steuerung. Die ist ja grausam. Wie konnte man denn ein so unspielbares Spiel damals überhaupt gut finden? Also an die guten alten Zeiten, so wie sie in meiner Erinnerung waren, kann das nicht anknüpfen.

Aber vielleicht ist das ja nur ein Einzelfall. Also den „SNES“ aufgebaut und „Mario Kart“ ausgekramt.
Ja, natürlich ist die Grafik für heutige Verhältnisse schlecht, aber war es wirklich so schlimm? Auch hier ist die Steuerung extrem träge. Ich komme ja kaum vom Fleck oder um die Kurve. So war das aber früher nicht, oder? Auch hier scheinen mich meine Erinnerungen getrübt zu haben.
Ich könnte jetzt noch weitere Beispiele nennen, aber das möchte ich mir an dieser Stelle sparen.

Was ist bloß passiert?

Ja was ist denn nun passiert? Wahrscheinlich gibt es sehr viele Gründe dafür, warum man plötzlich so empfindet. Man wird älter und  ist nicht mehr ganz so leicht zu begeistern. Man ist heutzutage deutlich besseres gewohnt, auch wenn viel geschimpft und behauptet wird, dass die Spiele früher besser waren. Damals war alles noch neu. Oder meinetwegen auch das Zusammenspiel der alten Konsolentechnik mit den neuen Fernsehern. Woran es im Endeffekt genau liegt ist von Person zu Person wohl anders.

Ich will jetzt aber nicht den Teufel an die Wand malen und behaupten, dass alle Spiele von damals mittlerweile schlecht sind. Ich habe auch viele gegenteilige Erfahrungen gemacht. Nehmen wir meinen hier schon genannten Lieblingstitel „The Legend of Zelda: A Link tot he Past“. Dieses Spiel habe ich auch später im Erwachsenenalter noch viele Male durchgespielt und habe immer wieder meine tollen Erinnerungen daran aufleben lassen können. Genauso geht es mir bei Spielen wie „Secret of Mana“, „Super Mario World“ und vielen weiteren.

Ich will damit sagen, dass es wohl kein Geheimrezept dafür gibt welche Spiele man erneut spielen sollte oder doch lieber nicht. Das muss wirklich jeder für sich entscheiden, auch auf die Gefahr hin, dass man enttäuscht wird.
Vielleicht hat man auch gar nicht die Chance, die alten Klassiker erneut zu spielen. Dann muss man sich darüber auch keine Gedanken machen und kann einfach nur in seinen Erinnerungen schwelgen.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Was für Spiele könnt ihr heute überhaupt nicht mehr spielen und welche sind bei euch immer noch ganz hoch im Kurs?

10 Kommentare

  1. Ich denke, dass mit das größte Problem zwischen Spielen damals und heute der Vergleich ist. Und zwar der Vergleich alte Spiele und der Komfort und die Fortschritte von heute. Damals bei den ersten Videospielen die ich gespielt hatte, da hatte ich keinen Vergleich. Ich dachte, das Spiel muss so sein. Heute weiß ich, ne manches war entweder einfach schlecht oder es ging aus technischen Gründen nicht anders. Ich würde auch einfach mal behaupten wir sind alle eine Generation die große Schritte in der Entwicklung von Videospielen mitgemacht haben. Bei mir zum Beispiel 3D. Heutzutage gibt es diese Entwicklungen auch, aber sie sind kleiner und subtiler. Spannend wird es meiner Meinung nach, wie es für Kinder aussieht die heute mit Spielen aufwachsen. Werden sie als Erwachsene ähnlich auf die heutigen Spiele zurückblicken wie wir heute auf das SNES, das N64 oder das Sega Mega Drive.

    Eine Sache vermisse ich von damals aber heute wirklich. Einfach ein Spiel anmachen und zocken.

    1. Toller Gedanke mit den Kindern von heute, wenn heute schon vieles fotorealistisch ist, kann man das in Zukunft dann nur mit VR oder Synapsenkopplung toppen?

      Zum Gedanke „einfach anmachen und zocken“: Danke! 😭
      Es ist alles so nervig kompliziert geworden. Manchmal kommt mir das vor, als ob Entwickler mit kompliziertem Kram (ich nenne es jetzt einfach mal so) über ausgetrampelte Spielprinzipe oder fehlende neue Ideen hinwegtäuschen wollen.

      1. Es ist auch dieses mehr = besser Problem. Lade dir das noch runter, online hier und online da. Gebt mir doch einfach das Spiel und die Geschichte. Und ja, das gibt es im Indie-Bereich, aber ich will das ja auch mal in einem AAA-Spiel.

        1. Wirklich sehr gerne, da bin ich mit dabei 😊
          Außer vielleicht bei „online spielen“ und „-Inhalten“) denn da habe ich mich weitgehend zurückgezogen. Familie und wenig Zeit hin oder her, es nervt mich persönlich einfach nur noch. Nicht mal das blöde Spiel auf dem Smartphone will starten, wenn ich kein Internet laufen habe. Sowas fliegt bei mir sofort wieder runter, ich mag einfach nicht mehr. Erfolgsvergleich mit diesem und mit jenem Freund, Streams hier, blabla dort. Ich will das ganze „schmückende Beiwerk“ überhaupt nicht, nur spielen. Der Kram frisst uns noch auf. Und macht uns noch doofer.

          1. Sorry, war nicht so gemeint, ich finde es nur tierisch anstrengend bei vielen Games. Ist einfach zu viel Kram drumherum für mich.

  2. Ich denke, dass wir viele gute Erinnerungen mit den Spielen von damals verknüpfen. So ist es jedenfalls bei mir.
    Somit hebe ich Spiele unbewusst auf eine ganz andere Ebene. Vielleicht war das Spiel gar nicht so der Renner, vielleicht war die Steuerung nicht wirklich gut. Das Drumherum macht glaube ich einiges aus.
    So habe ich (beispielsweise) ganz wunderbare Erinnerungen an Firepower oder SuperCars auf dem Amiga, die ich mit meinem besten Freund damals unter lautem Lachen und Gegacker gegeneinander zockten. Unbezahlbar.
    Heute würde ich, ja, keine Ahnung, mir fehlt die Technik dazu.
    Ich glaube aber, dass mir noch etwas fehlen würde, selbst wenn genau wir Zwei das wieder spielen würden (davon abgesehen, dass ich nicht mehr lange auf dem Fußboden sitzen durchhalte 😄). Das Leben ist nicht spurlos an mir vorüber gegangen und an allen anderen von damals vermutlich auch nicht. Nicht nur physisch. Vieles ist so ganz anders als damals, ohne das jetzt ausdehnen zu wollen.
    Somit sehe ich es für mich persönlich so, dass vieles von damals in meinem Kopf einfach diesen leichten, easy living Blumengeruch an sich kleben hat. Unbeschwert. Und trotz schwieriger Kindheit kann ich dankbar sagen, dass sie und die Freiheit, die ich hatte, toll war. Daher schaue ich gern zurück und da gehören die Spiele und die guten Erinnerungen einfach absolut mit dazu.

  3. Deine Erfahrungen decken sich fast mit meinen. Was habe ich damals Tomb Raider gesuchtet, aber wenn ich jetzt einen der ersten Teile anwerfe, frage ich mich, wie ich jemals mit dieser fürchterlichen Steuerung zurechtgekommen bin.
    Aktuell spiele ich Thief II und bin gerade daran gescheitert, dann ich vieles, was im Spiel wichtig wäre, in der aktuellen Auflösung gar nicht mehr lesen kann (Zimmernummern z.B.).
    Nicht alles ist gut gealtert …

    Was allerdings fast immer geht, sind die Spiele auf dem C64. Vielleicht liegt das daran, dass man hier nichts hat, mit dem man vergleichen könnte.

    1. Du hast recht. Bei C64 Spielen habe ich das auch noch erlebt. Aber wie du schon sagst, es gibt hier nichts vergleichbares mehr.

      Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich bei SNES oder Gameboy Spielen nicht so häufig enttäuscht wurde. Meistens fand ich alte PC-Spiele plötzlich unspielbar. Aber hier wurde man über die Jahre hinweg auch immer mehr verwöhnt.

  4. Nachdem ich deinen Beitrag gelesen hatte, befiel mich eine Wehmut. Denn deine Zeilen erinnern mich unmittelbar an meine Kindheit und all die schönen Momente, die beim Spielen „zum ersten Mal“ erlebt hatte. Wie kann man dahin „zurückgehen“, in die Kindheit?

    Nun, ich erlebe „alte“ Spiele (Dreamcast, GameCube, PS1/2 usw.) gerade erneut, oder auch zum ersten Mal, mit meinen Kindern. Dabei versuche ich die Spiele durch ihre Augen zu betrachten und mit ihrer Wahrnehmung zu erleben. Klingt vielleicht unverständlich, aber tatsächlich gelingt mir das. Wir erleben das also gemeinsam und dadurch wurde mir erneut klar, was das Geheimnis ist.

    Der einzige Weg (in deinen Worten das „Geheimrezept“) ist, neue Dinge mit einem kindlichen Ich zu betrachten. Eben nicht den Vergleich anzustreben, neue Dinge sofort zu bewerten und aufzurechnen. Denn Kinder haben diese Möglichkeit noch gar nicht, weil sie vieles zum ersten Mal erleben.

    Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass man Spiele immer im Kontext ihrer Zeit bewerten muss. Vom heutigen Tag zwanzig Jahre zurückzublicken und dann zu sagen: „was für eine miese Steuerung“ ist absoluter Blödsinn und unfair dem Spiel/Werk gegenüber. Im Gegenteil. Wir haben die Aufgabe virtuell in die Zeit zurückzureisen und dann zu schauen, was seinerzeit möglich war.

    Die Spiele in ihrer Zeit lieben, mit den Augen eines Kindes. Das ist das Geheimnis 🙂

    1. Das ist ein sehr schöner Gedanke, neue Dinge aus kindlichen Augen zu sehen. Wenn mein Neffe (oder vielleicht mal meine eigenen Kinder) alt genug für Videospiele ist, werde ich an diese Worte denken und versuchen deine Idee umzusetzen.

      Du hast recht. Man muss bei den Spielen, die wir als Kinder gespielt haben, immer im Hinterkopf haben, was damals möglich war. Ich bin auch immernoch ein Verfechter der Meinung, dass Spiele früher mit deutlich mehr Liebe produziert wurden als heute.
      Ist man aber mittlerweile durch den heutigen Komfort doch sehr verwöhnt, kann es trotzdem mal passieren, dass einem schnell die schönen Kindheitserinnerungen angekratzt werden, wenn man wieder an alte Techniken rangeht.

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