Im Easymode durchs Leben

Im Easymode durchs Leben

Bei Gesprächen über Videospiele kommt man irgendwann immer auf den Punkt der Herausforderung und des Schwierigkeitsgrades.

Meine Antwort ist dann mittlerweile fast immer: „Ich spiele auf einfach.“.
Oft bekomme ich dann gleich Gegenwind: „Dann macht das Spiel doch gar keinen Spaß!“, „Wo bleibt denn die Herausforderung?“, „Echte Gamer spielen doch nicht auf einfach!“ …

Dabei denke ich, dass solche Diskussionen einfach nicht sein müssen. Ähnlich ist es, wenn man immer wieder anderen erklären muss, warum man keinen Alkohol trink oder ähnliches. Es ist einfach so, akzeptiert es und versucht bitte nicht andere zu bekehren und ihnen eure Lebensweise – oder für diesen speziellen Fall – eure Spielweise aufzudrücken. Aber holen wir mal etwas aus.

Früher war das anders

Zu Schulzeiten oder auch später noch in der Ausbildung war mein Spielverhalten noch anders. Da habe ich durchaus eine Herausforderung in Spielen gesucht und mich auch immer wieder auf LAN-Partys oder online mit anderen gemessen. Ich habe mich ewig lange in Spielmechaniken und Steuerungen reingefuchst, um möglichst die höchsten Schwierigkeitsstufen spielen zu können. Wie oft habe ich auch mit Freunden vor der Konsole gesessen und stundenlang ein und denselben Endboss wieder und wieder versucht zu bezwingen, bis wir ihn geschafft haben. Oder auch bei Rennspielen eine Strecke immer wieder gefahren, bis man es endlich auf Platz 1 geschafft hat. So hat mir Gaming damals Spaß gemacht. Aber so wie sich jeder Mensch über die Zeit verändert, hat sich genauso mein Spielverhalten geändert.

Was ist heute anders

Wie man oben schon lesen konnte, spiele ich Spiele heute meistens im einfachsten Modus. Der Grund dafür sind viele Faktoren.

Fangen wir mit dem Faktor Zeit an. Denn mittlerweile gibt es viele Dinge, die einen zusätzlich beschäftigen. Da sind zum Beispiel Job, Haus, Garten, Familie und so weiter. Die Zeit, die man also damals hatte, um sich so tief in die Spiele reinzufuchsen, wird für andere Bereiche des Lebens genutzt.

Und damit sind wir auch schon beim nächsten Faktor, der Lust. Ich habe einfach keine Lust mehr mich so tief in Spiele reinzudenken, bis ich jede Steuerung und Spielmechanik perfekt beherrsche.

Der dritte Faktor ist der Zweck, den Spiele für mich jetzt darstellen. Sollten sie damals eine Herausforderung sein, dienen sie jetzt eher als Entspannung. Man hat heutzutage schon genug Stress im Alltag und will alles unter einen Hut kriegen, da muss ich mir nicht noch zusätzlich Stress oder Herausforderung in Spielen suchen.

Damit bin ich beim letzten Faktor: das Interesse. Denn auch dieses ändern sich mit der Zeit und ich mag mittlerweile lieber Spiele, die mir eine gute Story, eine Welt zum Erkunden oder einfach nur Zeit zum Abschalten bieten. Und diese Dinge möchte ich dann auch erleben und nicht immer wieder an Punkten verzweifeln, an denen ich nicht weiterkomme.

Was ist mit schwierigen Spielen?

Hier denke ich an Spiele wie Sekiro oder Dark Souls, die gar keinen Easymode bieten. Aber hier gibt es eine ganz einfache Antwort. Auf diese Spiele verzichte ich. Warum? Ich bin einfach nicht die Zielgruppe, die sich die Entwickler vorgestellt haben und das ist auch völlig in Ordnung so. Nicht jedes Spiel muss auf jeden Spieler zugeschnitten sein.

Und Onlinespiele?

Ganz ehrlich? Ich mag Onlinespiele nicht besonders. Hier fallen mir nämlich immer wieder zwei Varianten auf. Entweder habe ich in online Matches gar keine Chance im Spiel, wenn ich nicht jede Sekunde meiner Freizeit darin investieren will, oder man wird nur dumm angemacht, weil man nicht die Leistung für ein Team erbringen kann, damit man um alles in der Welt gewinnt. Es geht hier gefühlt nur nach Performance und Sieg. Damit geht mir jeglicher Spielspaß verloren.

Aber ich spiele gerne mit Freunden online, dann bleiben wir allerdings unter uns. Wir haben alle das gleiche Spielverhalten und hier ist es egal, wie gut man ist oder nicht. Außerdem sind wir alle ungefähr gleich schlecht. Aber bei uns steht rein der Spaß im Vordergrund und nicht das Gewinnen.

Fazit

Ich glaube viele finden sich in den oben genannten Dingen wieder. Das Leben ist stressig genug und man hat in der Regel genug um die Ohren. Von daher ist es völlig OK, wenn man das Spielen im Easymode bevorzugt. Man genießt einfach den Ausstieg aus der Realität und lässt sich von anderen Welten verzaubern.
Sucht man lieber die Herausforderung und möchte es möglichst schwer haben – auch gut. Wichtig ist mir, dass jeder so spielen kann, wie er es für richtig hält und es ihm nicht schlechtgeredet wird. Im Endeffekt haben wir doch alle das gleiche Hobby, nur die Details unterscheiden sich.

Ein Kommentar

  1. Ja, da sprichst du mir aus dem Herzen, Christian 🙂
    Ich spiele auch nur noch auf ‚leicht“, aus den dir genannten Gründen.
    Zum stressen & ärgern hab ich keine Lust mehr und der Zeitfaktor ist auch nicht zu verachten, wenn ich in meiner spärlichen Freizeit länger brauche, um mich durch verschiedene Ingame-Situationen durchzubeißen.
    Online spiele ich zwar nicht mehr, kann dich aber sehr gut verstehen. Im Clan damals spielten wir alle sehr ähnlich, da passte das ebenfalls zusammen.

    Danke für deinen Artikel! Ich für meinen Teil habe im echten Leben schon nicht unbedingt einen Easymode, daher kann ich bei Games gerne auf ‚die harte Tour‘ verzichten. Beweisen muss ich da niemandem etwas, mir selbst auch nicht, oder sogar am allerwenigsten.
    Ein entspanntes Spielchen zwischendurch, oder einfach nur um abzutauchen, das klappt wunderbar im Easymode 🙂
    Wer es härter möchte, nur zu, gerne. Aber da bin ich dann raus 😉

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.