Experiment GameBoy

Immer wieder durfte ich auf Twitter oder in verschiedenen Blogs tolle Bilder von aufpolierten alten GameBoys betrachten. Mit der Zeit wuchs also langsam das Bedürfnis in mir meinen alten GameBoy wieder auszukramen. Anfangs wollte ich nur etwas spielen, doch nach einiger Zeit wuchs der Drang auch meinem Gerät mal eine komplette Überholungskur zu schenken.

Planung & Vorbereitung

Als gelernter IT-Systemelektroniker es ist für mich nicht fremd, Geräte auseinanderzuschrauben und den Lötkolben anzusetzen. Ich habe aber noch nie einen GameBoy aufgeschraubt. Also wollte ich mich erst einmal ein klein wenig aufschlauen. Ich informierte mich als erstes über folgende Themen:

  • Was muss ich beim Auseinanderbau beachten?
  • Wie reinige ich das Gehäuse am besten?
  • Kann ich die Frontscheibe zum Display ersetzen? (Meine war leider nicht mehr fest)
  • Kann ich an der Elektronik etwas überholen?
  • Wie kann ich das Display beleuchten?

Nach meiner Recherche habe ich dann angefangen mir die benötigten Teile zu besorgen. Einige Dinge hatte ich sogar schon bei mir im Keller liegen. Nachfolgend möchte ich meine Ergebnisse für die eben erwähnten Fragen Schritt für Schritt erläutern. Dabei will ich aber nicht zu tief ins Detail gehen.

Ergebnisse der Recherche & Umsetzung

Was muss ich beim Auseinanderbau beachten?

Als erstes benötigt man einen Tri-Wing Schraubendreher, denn sonst kann man das Gehäuse gar nicht öffnen. Davon habe ich zum Glück welche bei meinem Werkzeug. Hat man alle Schrauben gelöst, kann man das Gehäuse auseinandernehmen.
Aber Vorsicht: Die beiden Hälften nicht einfach auseinanderreißen! Diese sind noch durch ein Flachbandkabel miteinander verbunden. Hier also als erstes die Steckverbindung vorsichtig trennen.
Die Platinen selbst lassen sich dann mit einem normalen Kreuzschlitz-Schraubendreher ausbauen.

Wie reinige ich das Gehäuse am besten?

Hat man die komplette Elektronik entfernt, kann man auch die Frontscheibe leicht herausdrücken. Da meine schon lose war und nur noch durch Tesafilm an ihrer Position gehalten wurde, fiel sie von alleine raus. Den restlichen Kleber sollte man noch entfernen. Das Kunststoffgehäuse selbst kann man nun mit Spülwasser und einer Zahnbürste perfekt reinigen.

Ist das Gehäuse des GameBoys sehr vergilbt, kann man dieses bleichen. Auf den meisten Seiten, die ich gefunden habe, wurde Wasserstoffperoxid benutzt. Obwohl mein GameBoy so gut wie gar nicht vergilbt war, habe ich diese Prozedur trotzdem versucht. Beim direkten Betrachten konnte ich sogar eine Verbesserung sehen. Auf den angehängten Bildern ist der Effekt leider nicht zu erkennen.

Kann ich die Frontscheibe zum Display ersetzen?

Ganz kurz: ja kann man!
Diese „Displays“ kann man günstig im Internet kaufen. Hier ist sogar schon neuer Kleber aufgetragen, so dass es einfach einzukleben ist. Alleine der Tausch macht meiner Meinung nach schon viel her, da die ganzen kleinen Kratzer verschwinden.

Kann ich an der Elektronik etwas überholen?

Hier habe ich vor allem geguckt, ob es Bauteile gibt, die man proaktiv tauschen sollte. Dazu konnte ich aber nichts einheitliches finden. Also habe ich keine Teile getauscht. Lediglich ein paar Lötstellen wurden nachgebessert.

Wie kann ich das Display beleuchten?

Hierzu kann man einiges im Internet finden. Empfohlen wird diese Erweiterung meist mit einer „Bivert-Mod“.

Zur „Bivert-Mod“: Benutzt man bei der Hintergrundbeleuchtung eine Polarisationsfolie in entgegengesetzter Richtung als zur ursprünglichen, erhöht dies den Kontrast des Displays. Allerdings ist jetzt das Display invertiert. Das heißt, alle hellen Pixel sind jetzt dunkel und umgekehrt. Ein Hex-Inverter, den man nun zusätzlich auf die Platine lötet, dreht diesen Effekt wieder um.

Die Teile für die Aufrüstung kann man in Komplettpaketen relativ günstig kaufen. Diese Pakete enthalten in der Regel die Hintergrundbeleuchtung, eine Polarisationsfolie und den Hex-Inverter.
Der Umbau war allerdings eine einzige Fummelarbeit. Hier meine ich aber nicht das Einlöten der Komponenten. Das schlimmste am ganzen war vom Display die alte Polarisations- und Reflektorfolie zu entfernen ohne dabei die empfindlichen Flachbandkabel zu beschädigen.

Fazit

Ich persönlich bin mit dem Endergebnis sehr zufrieden und werde den GameBoy jetzt auch wieder öfter benutzen.

Vorher:

Gameboy vorher
Gameboy vorher

Nachher:

Gameboy nachher
Gameboy nachher
beleuchtet

5 Kommentare

  1. Danke für die Info und den interessanten Link. Mal sehen, ob ich mich da rantraue. Weisst du vielleicht, ob etwas schiefgehen kann, etwa sich bei zu langer Einwirkzeit auflösen kann, oder so?

    1. Nachdem was ich gelesen habe und selbst hier durchgeführt habe, gibt es da keine Probleme. Auch die Aufdrucke bleiben unbeschadet. Ich habe lediglich den Aufkleber mit der Seriennummer mit einem kleinen Stück Tesafilm abgeklebt, damit sich der nicht löst.

  2. Sehr schön! Danke für deine Mühe, den kleinen Kasten etwas aufzumöbeln. Ich habe hier auch noch einen, der ist laut Seriennummer sogar noch etwas älter als deiner (G19..), aber durchringen kann ich mich zu einem Umbau noch nicht. Ich denke, das würde anders aussehen, wenn ich noch einen zweiten Gameboy hier hätte. Zumal die Kosten ja wirklich übersichtlich sind.
    Was die „Blondierung“ angeht, das klingt durchaus interessant und machbar für mich. Hast du dafür eine fertige Lösung aus der Apotheke genommen und falls ja, wieviel Prozent sollte die dann haben?

    1. Moin Tobi, ich war mir auch erst unsicher mit dem Umbau. Meine Schwester hat aber zum Glück auch noch einen zu Hause liegen, so dass zumindest noch einer in der Familie gewesen wäre, wenn ich meinen kaputt gemacht hätte ;).

      Die „Blondierung“ habe ich mit handelsüblichen Wasserstoffperoxid gemacht. Auf den Seiten, auf denen ich mich informiert habe, hieß es man solle eine 12%ige Lösung verwenden. Die kann man auch noch ohne Probleme im Internet kaufen. Und auch in der Apotheke sollte man, laut Aussage der Seiten, dies so bekommen.
      Viele der Guides empfehlen die Verwendung von „Retr0bright“. Dabei handelt sich auch um Peroxid gemischt mit weiteren Zutaten. Das ganze wird dann eher schaumig und soll perfekt für solche Gehäuse sein. Da dies aber in Deutschland nicht erhältlich ist, mischen sich das viele selbst zusammen. Diesen Aufwand habe ich aber nicht betrieben. Ich habe einfach das reine Peroxid genutzt. Das hat auch gereicht.

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